Aus dem Plus Size Model Leben, zu plus size und fashion
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NEUE BARBIES, ALTE KLISCHEES, UND „GLORIFYING OBESITY“

Natürlich muss ich darüber auch schreiben: Es gibt eine neue Barbie! Sie wird gefeiert als DER Schritt schlechthin in richtung BodyPositivity und Anerkennung der unterschiedlichsten Körperformen. Was ich daran richtig gut finde, was weniger und warum ich trotz allem weit weg von Glorifying Obesity bin.

Mattel hat sich ja bisher nicht unbedingt dadurch ausgezeichnet ein realistisches Frauenbild darzustellen und allen die bereits dabei waren sich die neue dicke Barbie zu zu legen kann gesagt werden: daran hat sich nichts geändert.

Über das alte Modell wurde so viel geschrieben, diskutiert, gestritten und aber auch abgefeiert das muss ich hier nicht alles wiederholen. Hard Facts waren zum Beispiel dass ein realer Mensch mit diesen Maszen und Proportionen weder aufrecht stehen könnte noch lebensfähig wäre. Das Gesicht war nach allen Regeln des Kindchenschemas konstruiert, also starker Stirnbogen, kleines Stupsnäschen, große Augen, und dazu dann noch richtig viel Makeup.

Jetzt hat Matell neue Barbiemodelle rausgebracht mit unterschiedlichen Körpern und Gewändern, eine dick, eine klein, eine groß, verschiedenste Hauttöne. Erstmal eine feine Sache auch wenn diese weiterhin natürlich ein gekünsteltes Ich verkaufen. Ein Ich das egal wie dick dünn und klein die Puppen erscheinen nie erreicht wird und ich habe auch nicht das Gefühl dass sich diesmal wirklich an realen Frauen orientiert wurde. Die Beine und Arme sind nach wie vor recht dünn, ausladender gehts im Hüft – und Pobereich zu. Nur dürfen wir eines nicht vergessen, seit Beyonce, Kim Kardshian und Amber Rose ist das längst ein Look der begehrt ist und trotzdem weder mit Plus Size noch mit wirklich natürlichen Proportionen zutun hat. Ich habe selbst eine recht große Differenz zwischen Hüft und Taillienmasze, welche natürlich entstanden ist. Ich gebe gerne zu dass ich Übungen mache die diesen Unterschied festigen und auch weiter fördern, allerdings setze ich dabei eben auf Ernährung und Sport und nicht auf Waisttraining und Schönheitsops. So gesehen finde ich die neuen „dicken“ Barbies nur eine weitere vermutlich kluge Marketingide aber jetzt nichts wofür ich einen feministischen Preis vergeben würde.

Juhu wir „dürfen“ jetzt dick an den „richtigen“ Stellen sein! Was ein Erfolg.

Bei meiner Recherche dazu bin ich auch auf eine weitere Barbieart gestoßen, die Lammily! Von Nickolay Lamm ins Leben gerufen, wesentlich natürlicher, auch so vom gesammten Look her und was ich auch ziemlich interessant finde ist dass es sie auch mit Menstruationskit gibt. Soll jungen Mädchen helfen zu ihrem Körper und allem was damit nunmal meist einher geht einen positiven Zugang zu finden.

Auch wenn ich mich dazu kritisch äussere finde ich es schon ziemlich cool alles, als ich im Barbiealter war, habe ich so ziemlich jedem Mädchenklischee entsprochen und das auch wahnsinnig gerne und mit vollster Hingabe. Barbies waren nur ein Teil meines Spielzeugs, im Grunde mochte ich alles was geglitzert hat und pink war und bis zu einem gewissen Grad ist das heute noch so. Ich hatte damals die klassische blonde Barbie mit glattem tollen Haar, die immer perfekt gestylt war und in meinem Kopfkino einfach alles konnte. Und klar wenn ich so zurückdenke gabs bereits da schon Vergleiche, in meinem Fall vorallem mit ihrem Haar und ihrer Figur.

Wenn du dann ansich eher jemand bist die das Gefühl hat nicht auszureichen macht das schon was mit dir ständig mit diesen vermeindlich realistischen Vorbildern zu spielen.

Manchmal habe ich das Gefühl dass nicht die Akzeptanz für alle Arten von Körpern größer wird sondern dass sich eher immer mehr große Lager aufbauen und spalten. Einerseits schön dass die Gruppe der pro dicken zunimmt (achtung Wortspiel!), die Verbindung von beiden seh ich aber nicht so oft.

Und dann surf ich so rum und sehe dieses Bild das viel geliked wurde und die Tage darauf immer wieder in verschiedensten Formen zu finden war, immer wieder gefeiert wurde:

image

Ich sag dazu nur eins: Nein bitte nicht!
Es ist ein riesen riesen Unterschied zu sagen ich liebe meinen Körper, mein Gewicht, meine Speckrollen, meine Cellulite, oder einfach alles an mir. Da bin ich sofort dabei! Oder ob es heisst grundsätzlich Übergewicht oder sogar schweres Übergewicht zu glorifizieren. Diese Bilder sind seit der neuen Barbie deutlich angestiegen und ich denke da wurde etwas falsch verstanden. Diese Plastikpuppe gibt es nicht um etwas zu feiern dass tendeziell dem Körper schadet! Es gibt tausend Gründe warum diese Barbie Sinn macht und das ist definitiv keiner.

Wer findet das Models Klappergeschirre ohne Hirn sind (sowas lässt sich soo viel lesen), der sollte meiner Meinung nach nicht auf der anderen Seite sagen alles am Dicksein sei cool.

Der Aufschrei über Kate Moss‘ Satz „Nothing tastes as good as being thin feels“ war riesig. Spannenderweise aus der Ecke mit am lautesten die sich über Sätze und Bilder mit Aufschriften wie „Obesity 4 ever“ freuen.

Beides sind die extremen Seiten ein und der selben Medaillie ich kann das nur oft genug sagen bzw schreiben. Deutlich zu dünn sollte genauso wenig Ziel und Grund zur Freude sein wie deutlich zu dick.
Wie wir geformt sind hat mit vielen Dingen zutun die sich oft garnicht oder nur schwer selbst regulieren lassen und ich bin die Erste die Yeah! schreit wenn sich jemand liebt und alle vermeindlichen Makel an sich annimmt, sich feiert und dafür im Internet und auch so unterstützt wird.

..Wenn dabei die neue Barbie hilft finde auch ich sie gut 😉

4 Kommentare

  1. Also ich sehe das nicht ganz so eng mit dem „glorifying obesity“. So wie ich die Bewegung verstehe heißt das vor Allem eines: die ganze Welt sagt mir, ich bin nicht okay, so wie ich bin. Damit bin ich nicht einverstanden. Ich bin schön und ich bin es wert, mich selbst gut fühlen zu dürfen, auch mit Übergewicht. Es geht darum, Leuten zu sagen, die von Natur aus properer sind, dass sie ein Daseinsrecht haben. Dass sie okay sind, dass sie auch schöne Klamotten tragen dürfen, dass sie das gleiche Leben führen können, wie die dünnen Menschen aus der Werbung, dass sie heißen Sex haben dürfen und sich dabei sogar noch gut fühlen dürfen.
    Ohne Mist, mir wurde so lange eingeredet, dass ich nur vollwertig, sexy, hübsch und liebenswert bin, wenn ich Idealmaße habe. Manchmal glaub‘ ich das immer noch in Momenten des Zweifels.
    Es gibt vielleicht ganz wenige Leute, die sagen, ich finde es so geil fett zu sein, dass ich versuche, jetzt mal 300kg auf die Waage zu bringen. Die allermeisten wollen aber sich nur irgendwie okay finden. Und nennen das dann „glorifying obesity“. Ja, verdammt noch mal, das darf auch mal verklärt werden. In einer Welt, in der Alle einem sagen, dass man, so wie man ist, hässlich ist! Manches ist doch auch ganz klar Provo, und zwar bewusste.

    Übrigens wurde wiederholt nachgewiesen dass Übergewicht keine gesundheitlichen Auswirkungen hat. Die Zahlen sagen sogar, dass leichtes bis mäßiges Übergewicht gesünder sein kann. http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/apr/08/fat-healthy-dieting-health-reasons-overweight-lifespan-weight
    (ich liebe Bethany Rutter und ihr „Live fat, die yum“-Donut Tattoo)

    Zu den Barbies zitiere ich Tina Fey, die hier zwar ein Top-Beispiel für weißen Feminismus ist, aber genau das stimmt in Bezug auf die Barbies:
    “But I think the first real change in women’s body image came when JLo turned it butt-style. That was the first time that having a large-scale situation in the back was part of mainstream American beauty. Girls wanted butts now. Men were free to admit that they had always enjoyed them. And then, what felt like moments later, boom—Beyoncé brought the leg meat. A back porch and thick muscular legs were now widely admired. And from that day forward, women embraced their diversity and realized that all shapes and sizes are beautiful. Ah ha ha. No. I’m totally messing with you. All Beyonce and JLo have done is add to the laundry list of attributes women must have to qualify as beautiful. Now every girl is expected to have Caucasian blue eyes, full Spanish lips, a classic button nose, hairless Asian skin with a California tan, a Jamaican dance hall ass, long Swedish legs, small Japanese feet, the abs of a lesbian gym owner, the hips of a nine-year-old boy, the arms of Michelle Obama, and doll tits. The person closest to actually achieving this look is Kim Kardashian, who, as we know, was made by Russian scientists to sabotage our athletes.”

    Sorry, das ist ’ne Abhandlung geworden. 🙂 Das nächste mal kommentiere ich mal weniger ausufernd.
    xx Nora

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  2. hallo liebe nora

    erstmal kein ding ich mag abhandlungen gerne und ich mags wenn leute auch kommentieren und nicht nur mailen 🙂

    ich weiss nicht ob du andere beiträge, wie zb den letzten, von mir gelesen hast, darin erzähle ich immer wieder auch bisschen von mir und ich verstehe dich extremst gut wenn du sagst du willst dich auch sexy fühlen, es einfach sein, auch wenn die gesellschaft meist ein andres bild von sexyness und schönheit propagiert. mich stört es zum beispiel uunheimlich dass in so vielen hollywood filmen keine dicken vorkommen, und wenn sinds meist die dummen, die lustigen oder die verqueren. jedenfalls seltenst die heissen vamps die erfolgreich im job sind und toll aussehn.
    ich nenne mich nicht ohne grund bodypositivity aktivistin.

    trotzdem erkenne ich, ganz deutlich gesagt durch instagram, ab wann eine verherrlichung von etwas vorliegt die ich in keine richtung gut finde. mir ist klar dass der oder die jenige schöpferIn des bildes dass ich gezeigt habe das eher als provo meinte und wie es gemeint war. trotzdem ist das glorifizieren von extremen dicksein etwas dass mir mitlerweile schon öfter unterkam und dann gerne mit eben solchen bildern unterlegt wird.

    die studien wg übergewicht kenne ich auch. es ging mir aber nicht um übergewicht oder um propper. mir ging es um maszen wie nichtmehr alleine aus dem bett kommen und das abfeiern. und das gibt es. und das finde ich nicht gut.
    das zu feiern ist für mich exakt das selbe wie magersucht zu feiern.

    vielleicht hätte ich mich deutlicher ausdrücken sollen. manchmal hat man das gefühl beim
    bloggen eh schon alles gesagt zu haben 😉

    Gefällt mir

  3. Hallo Ina, da gebe ich Dir Recht, man sollte Krankheiten nicht glorifizieren. 🙂 Ich beiße mich manchmal in Themen fest und schieße übers Ziel hinaus. Ich lese Dein Blog schon länger und gerne, auch wenn ich erst seit kürzerem Insta habe. Deshalb dachte ich mir schon, dass das nicht ganz so gemeint sein kann, wie es bei mir angekommen ist.

    Gefällt 1 Person

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