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KONSENS UND KÖRPER

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Warum ich mich mit meiner Freundin tätowieren hab‘ lassen, Romantik und Politik auch eins sein können und mein Körper wiederum nie auf gesellschaftlichen Konsens trifft. English version below.

„Ich habe mir ein Partnerinnentattoo stechen lassen.“

Erstmal ein Satz der lange Zeit auch mich aus den Latschen kippen hätte lassen und aus meinem innersten Off trällert Christiane Rösinger „Ihr denkt ihr seid im Märchen, und seid nur blöde Pärchen…“ Ich muss lachen, streichel über meinen Arm und freu mich. Sich zusammen Konsens zu tätowieren hat natürlich auch einen romantischen Wert. Natürlich werde ich dabei immer an sie denken. Es ist das sichtbarste Commitment der Welt, immer da, immer wahr, und doch ein Souvenir einer ganz bestimmten Lebensphase, und einer ganz bestimmten Frau.

Gleichzeitig ist es super politisch und ja tatsächlich immer wahr. Konsens ist genau der Zustand der theoretisch so schnell erreicht und gesellschaftspolitisch wie privatpolitisch so schwer zu erlangen ist. Kein anderer Begriff hätte mehr Sinn auf meinem Körper, denn genau darum geht es doch in der Körperpolitik und im (Queer-) Feminismus und es schadet auch mir nicht daran erinnert zu sein und darüber zu reflektieren was dies genau bedeutet.

Politisches Engagement sollte meiner Meinung nach immer bei einer selbst beginnen, und das am besten aktiv und positiv, gemeint liebevoll.
All die Virginia Woolf, Clara Zetkin , Angela Davis und Annie Sprinkle (von ihr sogar handsigniert oh!) – Bücher im Schrank, Vorlesungen, Studien und kritischen Theorien. All die Gedanken wurden widrigster Umstände zum Trotz, von klugen Frauen zu Sprache und Politik gemacht. Da ist es doch das vermeindlich Kleinste dem nicht nur in der Sicherheit meiner Wohnung und einer halbwegs ungefährlichen Umgebung zustimmend zuzunicken sondern gewisse politische Konzepte auch zu leben und nach aussen hin verbal zu verteidigen.

Ich nehme an die meisten Menschen würden schnell die Aussagen „Menschen sind gleich viel wert, unabhängig von ihrem Geschlecht“ und „Dicke Menschen sollen nicht diskriminiert werden“ zustimmen.
Diesen Umstand würde ich als theoretischen Konsens beschreiben, denn er hat (noch) nichts mit der gelebten Realität zutun. Denn natürlich bekomme ich als fette Frau jeden Tag zu spüren dass ich anders aussehe als die vermeindliche Norm, die so aber nirgends existiert. Ich habe den „Vorteil“ eine „gute Dicke“ zu sein da ich gerade noch so viel bzw wenig wiege dass mein Körper trotz allem oft als schön empfunden wird, auch wenn nie vergessen und selten unkommentiert drüber hinweggesehen wird wieviel schöner ich sein könnte wäre ich schlanker. Meine täglichen Strategien mit meinem Körper umzugehen, ihn zu verpacken, zu schmücken und anzumalen, sind natürlich ein Produkt meiner Sozialisation als (queere) Frau. Damit schließt sich in trauriger Weise wieder der Kreis mit „Alle Menschen sind gleich viel Wert…“ denn dieser Satz hat noch nie gestimmt, wurde noch nie praktischer Konsens, noch nie gelebt. Permanent bin ich einer überdominanten sozialen Position von Cismännern ausgesetzt, die Systeme wie „dünner Körper – gute Frau / dicker Körper – dumme Frau“ als Machterhalt für sich nutzen. Wie könnte auch nur irgendeine in so einer Lebensrealität, unterworfen, eine wirklich freie, selbstbestimmte, Entscheidung darüber treffen wie sie aussehen will und wie sie sich wirklich wohl fühlt, die nicht geprägt und geformt wurde? Meiner Meinung nach nie.
Und ebenso nie würde der Punkt erreicht sein an dem meine Anpassung das Schönheitideal erreichen würde und doch übernehme ich eben stilistische Mittel die sich dem gängigen Ideal annähern, seis dass ich meine Taillie betone, mir Makeup auflege oder mich rasiere.

Ich bin eine Frau und daher ist mein Körper das Allgemeingut für Diskussionen, daran kann ich nichts ändern. Aber ich kann mich mit politischen Statements schmücken und so ein Zeichen setzen, nach aussen und nach innen.

 


 

On why i got inked with my girlfriend, romance and politics being one sometimes and why my body never complies with social consensus.
“I got a couple tattoo.”

A sentence that would have made me keel over for a long time, Christiane Rösinger lilting „Ihr denkt ihr seid im Märchen, und seid nur blöde Pärchen…“ (“you feel like being in a fairy tale, when in fact you are just being stupid couples…”) in the back of my head. I laugh at myself, stroke my arm and I am thrilled. Getting Konsens (consensus) tattooed together certainly has a romantic value as well. Of course, I will always think about her with it. It is the most visible commitment in the world, always there, always true, but still a souvenir of a special phase of my life, of a special woman.

At the same time it is super-political and always true indeed. Theoretical consensus is a state easily reached, socio-political and individual-political consensus is very hard to find. No other term would make more sense on my body, because that is specifically what body politics and (queer) feminism is about, and it will do me no harm to be reminded of that and to reflect on what exactly it means.

As far as I am concerned, political involvement should always start with yourself first, and be, at best, active and positive, intended affectionately.

All the books by Virginia Woolf, Clara Zetkin, Angela Davis and Annie Sprinkle (even a signed copy – oh!) on the shelf, lectures, studies and critical theories. All of these thoughts have been transformed into politics and speech by smart women – despite adverse circumstances. The least I can do is to salute this – not only within the safety of my apartment and a relatively safe environment, but to live certain political concepts and verbally defend them against the outer world.

I suppose most people would agree with the statements “all humans are equal, no matter what gender” and “fat people should not be discriminated against”.

This is theoretical consensus, I argue, because it (still) has got nothing to do with a lived reality. Every day, as a fat woman, I experience that my looks differ from the supposed norm, which does not even exist really. I have the advantage of being a “good fatty”, since my weight is just high or rather low enough to often have my body perceived as being beautiful. At the same time it is never fogotten and rarely left without comments that I would be so much more beautiful if I was slimmer. My daily strategies to handle my body, to wrap it, to decorate and paint it, are a product of my socialization as a (queer) woman. In a sad way, this completes the circle with the statement “all humans are equal…” because this claim has never been true, has never been practical consensus, has never been lived. I am constantly exposed to the over-dominating social position of cis-men, who use systems like “thin body – good woman / fat body – stupid woman” to retain their power. How could any woman, subjected to this kind of reality of life, be able to make a truly free, self-determined decision, that is not influenced or molded, on how she would like to look and what would make her feel good. She never can, I argue.

Just as I can never reach a point where my adaptation would meet with beauty standards. Still, I adopt stilistic devices that approach the common ideal – whether I accentuate my waistline, wear make-up, or shave my body.

I am a woman and that means my body is considerd to be common property in discussions, a fact I cannot change. But I can adorn myself with political statements and take a stance, on the outside and on the inside.

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