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BAD NEIGHBOURS, CELLULITE UND SICHTBARKEIT

Ich war eben mit meinem besten Freund im Kino und habe mir auf Anraten einer befreundeten amerikanischen Bloggerin Bad Neighbours 2 angesehn. Außerdem ist jetzt Sommer, oder fast, also Zeit für Cellulite und Schwangerschaftsstreifen (und damit politisches Statement).

Ich habe mir nicht besonders viel erwartet von dem Film, auch wenn sie meinte ich solle ihn ansehn. Dass der Streifen neben vielen bedienten Klischées aber auch recht politisch ist merkt man sehr schnell. 3 junge Frauen wollen ihre eigene Studentinnenverbindung aufbauen um wilde Parties zu feiern, aber ohne abgefüllt oder zu sexualisierten Handlungen gedrängt zu werden, wie es auf den Feiern ihrer (männlichen) Kollegen üblich ist. Sie tun sich zusammen, female empowerment, und starten diverse sehr eskalierende Mottoparties, unter anderem mit Themen wie „female icons“. Am Schluss sind sie damit sehr erfolgreich und solidarisieren sich im großen Stil mit anderen Studentinnenvereinigungen.

Und jetzt kommts: Eine der vielen (!) Hauptdarstellerinnen ist dick! Und das Allerbeste daran.. Dieser Fakt wird über den ganzen Film hinweg nicht einmal thematisiert. In keinem Witz, in keiner versteckten Bildsprache, in keiner besonderen Klamotte die so nur sie trägt. Einfach garnicht. Und das ist, so traurig es klingen mag für eine im Grunde genommen simple Hollywoodkomödie, der aller aller einzigste Film den ich je gesehn habe auf den das zutrifft! Oh wie hab‘ ich das gefeiert. Während ich zugesehn habe, wartete ich schon fast auf den Moment wo doch eine Art Wertung oder ein Kommentar dazu kommen würde – aber nichts dergleichen!
Das mag erstmal für viele nicht wie eine cineastische Revolution klingen aber tatsächlich ist ein Film der mit Dicken aber ohne Fatshaming spielt, ein rebellischer Akt, ein Statement für Bodypositivity und trägt damit auch automatisch eine weitere feministische Botschaft.
Das ist eine Art von Sichtbarkeit die ich mir noch so viel mehr innerhalb von Kunst und Kultur wünsche. Dieses einfach auch existieren lassen ohne es mühsam zu erklären oder es mit Witzen wieder ad absurdum zu führen.

Ich persönlich lebe aber eine andere Art von Sichtbarkeit als dicke Frau: ich bin plakativ, stelle den Fakt den eh jedeR sehen kann gern nochmal in das Scheinwerferlicht. Ich drück es auf, ich zeig es her. Und wann geht das am allerbesten, von Burlesqueauftritten abgesehn? im Sommer!

Ich möchte dass Menschen mit Cellulite und Schwangerschaftsstreifen sichtbar sind. Ich will auch besonders große, oder besonders flache Brüste sehn, Narben, schlaffes Gewebe und das alles bitte in Bikinis in allen Konfektionen. Und ich will aktiv dazu beitragen. Mich stört dass ich all das viel zu selten öffentlich sehe während es mich privat und im Internet ständig umgibt. So so oft kommen Frauen in meinen Vintage Shop und fragen nach Sommerkleidern in großen Größen. Ich bin jedesmal ganz stolz und aufgeregt und zeige meine Schätze, dann wird anprobiert und vorgezeigt und schon kommt die Unsicherheit. Kann ich das anziehn? Was ist mit meinen Knie, meinen Dellen, meiner Brust, meinen Oberarmen? Ich habe diese Thematik im Sommer ungelogen fast jeden Tag im Laden. In dieser Jahreszeit haben die Unsicherheiten über Körpermerkmale ihren großen Auftritt. Und klar ich kenne das auch von mir. Da reiben Schenkel aneinander (Babypuder meine Lieben, Babypuder), da ists heiss aber je weniger Stoff desto mehr nicht erreichtes Schönheitsideal, und da ziehts alle Menschen raus aus ihren Wohnungen, also auch die IdiotInnen. Wir fetten Frauen haben es alle schon erlebt dass wir im schönsten Sommerkleid daher stolzieren, und dann kommts, ein Kommentar, ein Blick, oder auch gleich ein „gut gemeinter Ratschlag“. Der Körper einer Frau ist sofort und immer Teil einer öffentlichen Diskussion, an derer sich jedeR ungefragt beteiligen will. Das kann ich nicht oder nur geringfügig ändern, und eins sag ich euch: es passiert so oder so. Wenn ihr das Zelt überwerft oder wenn ihr im Minidress geht. Meiner Erfahrung nach im Zweiten sogar weniger, also bitte bitte traut euch!

Ich habe einen kurzen Jumper, der knapp unter dem Po endet und damit ein Meer aus kleinen Dellen an den Oberschenkeln freigibt. Außerdem, wie es Jumpsuits so allgemein recht gern mal machen, ist mein Hintern darin riesig, und das will was heissen bei einem in Größe 48/50.
Ich liebe dieses Teil, meine Brüste groß, mein Arsch Kardashian like, meine Lebensfreude noch dadrüber. Ich kann darin tanzen, ich kann darin Rad fahren, und ich kann am allerbesten darin neue Merkmale für Schönheit setzen, und wenns nur für mich selbst ist.

1 Kommentar

  1. Super Beitrag! Schau dir mal den Film How to be Single an! Ist auch eine Komödie! Und eine der Hauptdarstellerinnen ist dick! Und es wird nicht thematisiert! Und sie ist die beste im ganzen Film! Du hast eine wirklich positive Ausstrahlung! Gefällt mir! Lg Jens

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